•9. Mai 2011 •
13. April – ping, eine neue Nachricht im Postfach: „Ich habe mir den Fuß gebrochen. Kannst du vielleicht bei der Marathonstaffel einspringen?“ Oha, nur noch drei Wochen! Aber mit ein bisschen mehr und schnellerem Training könnte ich das hinkriegen. Gedacht – und zugesagt.
14. April – hektische Stimme am Telefon: „Bandscheibenvorfall. Muss operiert werden. Gleich morgen. Du musst dich um die Hausmesse und alle Drucksachen kümmern.“ Oha, nur noch drei Wochen! Training + Monsterprojekt + weitere Papierberge auf dem Schreibtisch = Herausforderung. Puh …
Drei Wochen im Zeitraffer: zig Interviews geführt (einmal so unter Zeitdruck, dass ich das Auto meines Freundes mit laufendem Motor über zwei Stunden am Straßenrand geparkt habe (sic!)), Grafiker gehetzt, Texte im Akkord geschrieben. Trainingsumfang: drei mickrige, heuschnupfengeplagte, schneckenlangsame Läufe. Mein Herzchen rutschte mir immer mehr in die Magengrube und puckerte dort nervös vor sich hin – was soll das nur werden? Dann auch noch bei Sommergluthitze? Ich blamiere nicht nur mich, sondern auch noch die anderen. Samstagabend erreichten Laune und Motivation ihren absoluten Tiefpunkt. Da half das Unbehaun-Eis als Vorabbelohnung nur ein winziges bisschen.
Der „Renntag“: Mit dem Startschuss für die Marathonis kommt bei mir langsam Vorfreude auf. Und als ich dann endlich als Schlussläuferin starte, kann ich die kleine Tour durch Düsseldorf kaum erwarten. Sonne? Gegenwind? Pah, euch werde ich es zeigen! Vier Kilometer vor dem Ziel – Panik: Momentemal, wo ist eigentlich dieses Zeitmessdingsi? An meinem Fuß jedenfalls nicht. Und letztes Jahr musste man doch noch irgendwas an den Schuh pfriemeln. Oder nicht? Hätte ich meine Pulsuhr auch meinen Puls messen lassen, wäre sie in diesem Moment sicher explodiert. Hektisch schließe ich zu einer anderen Läuferin auf, gucke ihr auf die Füße – und sehe: nichts. Auch gut. Dann muss das wohl so sein.
Kurz vor dem Ziel warten meine Staffelkollegen auf mich, 500 Meter laufen wir als Team nebeneinander – „piiiiieeeep“ macht die Zielmatte, feddisch, aus, vorbei, geschafft. 10,5 Kilometer zeigt der Garmin an, knapp 63 Minuten habe ich dafür gebraucht; die ersten Kilometer unter 6 Minuten pro Kilometer, dann doch langsamer geworden – nicht zuletzt, weil ich an jeder Verpflegungsstation meine Gehirnzellen mit eiskaltem Wasser schockgefrostet habe. Na ja, keine Glanzleistung, wenn ich an meine Bestzeiten aus längst vergangenen Jahren denke. Aber ich bin trotzdem zufrieden – weil ich weiß: Da geht noch was. Irgendwann jedenfalls.
Ein kleiner Blick über den Läufer-Tellerrand: In Düsseldorf sind viele Vereinskollegen, Freunde und Bekannte mitgelaufen, die ich natürlich in der Läufermasse gesucht und zum Teil auch gefunden habe. Bei einem habe ich besonders mitgefiebert: Seit Oktober hat er ein fulminantes Laufcomeback hingelegt – von 0 auf mehr als 100 Trainingskilometer pro Woche – und sich mit einer Akribie auf diesen Lauf vorbereitet, vor der man nur den Hut ziehen kann. Unter 3:30 h wollte er gestern bleiben – unter normalen Wetterbedingungen hätte er das auch locker geschafft. So ist es für ihn sicher nur ein kleines Trostpflaster, dass er zwar seine Bestzeit verbessert, aber nicht die magische Zielmarke geknackt hat. An dieser Stelle: Kopf hoch! Beim nächsten Versuch klappt es ganz sicher!

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